Welpen kaufen
In den letzten Jahren hat sich ein beunruhigender Trend etabliert: Die Nachfrage nach bestimmten Hunderassen steigt – und mit ihr das Angebot vermeintlich „reinrassiger“ Welpen, oft begleitet von zweifelhaften Geschichten wie dem „Unfall mit dem Nachbarshund“. Was auf den ersten Blick harmlos klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung nicht selten als Verschleierung gezielter Vermehrung – fernab jeglicher Standards verantwortungsvoller Zucht.
Der Mythos vom „Unfallwurf“
Die Vorstellung, eine läufige Hündin hätte sich rein zufällig mit dem Nachbarsrüden verpaart, ist in den meisten Fällen schlicht nicht plausibel. Wer über Grundwissen im Umgang mit Hunden verfügt, weiß: Eine Hündin in der Hochphase der Läufigkeit wird nicht unbeaufsichtigt im Garten gelassen – erst recht nicht in einem Umfeld mit unkastrierten Rüden. Die Realität ist oft eine andere: Es handelt sich um geplante Würfe, die lediglich als „Unfall“ deklariert werden, um Fragen zur Herkunft, Gesundheit und Zuchtethik zu umgehen.
Ein weiteres Warnsignal: Die Auskünfte über den Deckrüden sind vage oder gar nicht verfügbar – angeblich ist er gerade „nicht da“, der Besitzer im Urlaub oder überraschend umgezogen. Spätestens hier sollte gesunder Zweifel einsetzen.
Woran erkennt man eine seriöse Herkunft?
Ein verantwortungsvoller Züchter hat nicht nur die Gesundheit und Prägung der Welpen im Blick, sondern auch das künftige Zuhause. Ein Verkauf gegen Bargeld „direkt zum Mitnehmen“ – ohne ernsthafte Rückfragen oder Interesse an den Haltungsbedingungen – ist kein Zeichen von Seriosität.
Einen genauen Blick verdienen auch die Papiere: Ist der Welpe älter als 15 Wochen, gechipt und stammt möglicherweise aus dem Ausland, sollte der Impfpass genau geprüft werden. Sind die Einträge auf Deutsch? Wurde die Grundimmunisierung ordnungsgemäß durchgeführt? Wenn Zweifel bestehen, ist es besser, sich gegen einen Kauf zu entscheiden.
Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich
Die Umgebung, in der ein Welpe aufwächst, sagt viel über seine ersten Lebenswochen – und damit über seine Entwicklungschancen – aus. Fragen, die Du Dir stellen solltest:
- Leben die Welpen im familiären Umfeld, etwa im Wohnbereich oder in einem Welpenzimmer?
- Oder werden sie in Garagen, Kellerräumen oder Zwingern gehalten – möglicherweise gemeinsam mit vielen anderen Hunden?
- Wie viele Hunde, bzw. verschiedene Rassen leben insgesamt im Haushalt?
- Ist die Umgebung gepflegt, sauber und wirkt tiergerecht?
- Gibt es Hinweise darauf, dass die Welpen wirklich ins Familienleben integriert sind – oder ist dies nur eine Behauptung?
Genetik ist kein Zufall
Ein weiteres, oft übersehenes Thema: Inzuchtgefahren bei vermeintlichen „Unfallwürfen“. In freier Natur wählen sich Hunde genetisch möglichst unterschiedliche Partner, um die Überlebensfähigkeit der Nachkommen zu sichern. Wenn jedoch zwei sehr ähnliche Tiere – etwa optisch nahezu identische Hunde derselben Rasse – verpaart werden, steigen die Risiken für genetisch bedingte Erkrankungen. Früh auftretende Allergien, Epilepsie oder Schwächen im Bewegungsapparat sind keine Seltenheit. Ebenso zeigen viele dieser Hunde Verhaltensauffälligkeiten, weil sie genetisch belastet sind und/oder unter mangelnder Prägung leiden.
Mein Rat: Qualität vor Spontaneität
Ein Hund ist eine Entscheidung für viele Jahre. Wer Wert auf einen gesunden, gut sozialisierten und wesensfesten Begleiter legt, sollte bei der Wahl seines Welpen mit Sorgfalt und kritischem Blick vorgehen. Zuchtverbände, Tierärzte oder auch wir als qualifizierte Hundetrainer stehen beratend zur Seite, wenn es darum geht, seriöse Züchter zu identifizieren oder die passende Rasse für die jeweilige Lebenssituation zu finden.
Gerne unterstütze ich Dich dabei, den für Dich passenden Hund zu finden – individuell, unabhängig und mit dem Blick für das Wesentliche.