Welpenspiel
Noch immer hält sich hartnäckig die Vorstellung, Hunde würden mit einem ausgeprägten Sozialverhalten zur Welt kommen. Tatsächlich weiß man heute: Sozialverhalten muss – wie bei uns Menschen – schrittweise erlernt und im Miteinander geübt werden.
In freilebenden Hundepopulationen verbringen Welpen viele Wochen und Monate im engen sozialen Austausch mit ihren Geschwistern. Über spielerisches Raufen, Rollenwechsel und Nachahmung entwickeln sie die Grundlagen für ihr späteres Verhalten im Rudel. Im Gegensatz dazu werden Haushundwelpen in der sensiblen Phase oft frühzeitig von Mutter und Geschwistern getrennt – mit der Folge, dass ihnen der kontinuierliche Kontakt zu gleichaltrigen Artgenossen im Alltag fehlt.
Doch gerade dieses Miteinander, das freie Spiel, das gegenseitige Austesten und auch das ausgelassene Raufen sind essenziell für eine gesunde soziale Entwicklung. Dabei geht es nicht um bloßen Bewegungsdrang, sondern um das gezielte Einüben sozialer Kompetenzen: Jagdverhalten ohne Endhandlung, Kommunikation über Mimik, Körpersprache und stimmliche Signale – all das wird spielerisch erprobt.
Ein zentrales Merkmal freien Spiels ist der Rollentausch: Ein Welpe jagt, dann wird er gejagt. Es wird geknurrt, gewinselt, gebellt – oft deutlich lauter, als es sich der menschliche Zuhörer vorstellt. Doch diese Geräusche gehören zum natürlichen Ausdrucksverhalten. Wichtig: Das Spiel wird selbstständig unterbrochen, noch bevor eine Handlung „ernst“ wird. Dann beginnt es von vorn – häufig mit vertauschten Rollen.
Auch das Einüben von Wehrverhalten und das richtige Verhalten in Unterlegenheit gehören dazu. Wer diese Fähigkeiten nicht frühzeitig erlernt, hat später oft Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Hunden – bis hin zu vermeidbaren Auseinandersetzungen mit Verletzungsrisiko.
Ein wichtiger Hinweis: Es gibt keinen sogenannten Welpenschutz im Kontakt mit fremden erwachsenen Hunden. Dieser Schutz gilt ausschließlich im eigenen Rudel. Fremde Hunde reagieren nicht selten streng – und mitunter deutlich – auf zu forderndes oder respektloses Verhalten junger Hunde. Ein erwachsener Hund, der sich bedrängt fühlt, kann sehr klar Grenzen setzen – im schlimmsten Fall mit einem ernsthaften Biss. Deshalb ist es sinnvoll, einen Welpen bei Begegnungen nicht unkontrolliert „einfach machen zu lassen“. Nicht jeder erwachsene Hund ist welpenfreundlich – und das ist völlig in Ordnung.
Zur sozialen Reifung gehört auch das Spiel mit Gegenständen. Welpen, die mit Decken oder Spielzeugen raufen, diese schütteln oder durch die Gegend tragen, zeigen instinktive Handlungen, die an Jagdverhalten erinnern. Solche Sequenzen zuzulassen ist wichtig – sie sind Teil einer gesunden Entwicklung. Entgegen häufiger Befürchtungen werden diese Impulse nicht zu unkontrolliertem Aggressionsverhalten führen. Im Gegenteil: Wer seinem Hund instinkthaftes Verhalten pauschal untersagt, riskiert später unangemessene Reaktionen auf Alltagsreize.
Fazit:
Der strukturierte und kontrollierte Kontakt zu gleichaltrigen oder etwas älteren Hunden ist ein wesentlicher Baustein in der sozialen Entwicklung eines Welpen. Wird ihm dieser Austausch vorenthalten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er später im Kontakt mit Artgenossen überreagiert – bis hin zu ausgeprägtem Meideverhalten oder aggressiven Tendenzen. Wer seinem Hund einen souveränen, sozial kompetenten Start ins Leben ermöglichen möchte, schafft dafür am besten schon früh die richtigen Voraussetzungen – mit fachkundiger Begleitung, gezielten Lernimpulsen und einem Umfeld, das soziale Reifung fördert.
Wir fördern Welpen - ohne sie zu überfordern - in unserer Welpenschule