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Hundewissen aus erster Hand – 
von einer erfahrenen Hundetrainerin

In diesem Blog teile ich mein Wissen aus vielen Jahren praktischer Arbeit mit Hunden und ihren Menschen. Du findest hier verständlich erklärte Hintergründe zur Hundeerziehung, zur Entwicklung von Welpen und zum Verhalten von Hunden im Alltag. Statt Mythen oder schnellen Patentlösungen bekommst du praxisnahes Hundewissen direkt aus der Arbeit einer erfahrenen Hundetrainerin – verständlich, fundiert und sofort umsetzbar.

Der Blog richtet sich an Menschen, die ihren Hund wirklich verstehen möchten und Wert auf moderne, faire und alltagstaugliche Hundeerziehung legen. Ob Welpe, Junghund oder erwachsener Hund: Hier findest du hilfreiche Impulse, die dich und deinen Hund auf eurem gemeinsamen Weg begleiten.

Merle-Gen beim Hund: Wenn eine besondere Fellzeichnung zum Gesundheitsproblem werden kann

Merle-Hunde fallen auf. Die charakteristische Fellzeichnung mit aufgehellten und dunkleren Bereichen wirkt außergewöhnlich und ist bei verschiedenen Hunderassen beliebt. Doch hinter dieser besonderen Zeichnung steckt mehr als nur eine auffällige Fellfarbe.

Das Merle-Muster entsteht durch eine genetische Veränderung im PMEL-Gen. Sie beeinflusst die Verteilung des Pigments und führt zu den typischen aufgehellten Bereichen im Fell. Merle wird unvollständig dominant vererbt. Je nach Ausprägung der genetischen Variante können dabei sehr unterschiedliche Fellzeichnungen entstehen.

Problematisch wird es insbesondere dann, wenn ein Hund zwei Merle-Varianten erbt. Diese Hunde werden als Double Merle bezeichnet. Bei ihnen können neben der starken Aufhellung des Fells auch gesundheitliche Veränderungen auftreten.

Wenn Pigmentbildung auch Augen und Ohren betrifft

Besonders gut untersucht sind die Auswirkungen auf Augen und Ohren.

Bei Double-Merle-Hunden können angeborene Hörstörungen auftreten. In einer Untersuchung mit 153 Merle-Hunden waren bei Hunden mit nur einer Merle-Kopie 2,7 Prozent einseitig und 0,9 Prozent beidseitig taub. Bei Double-Merle-Hunden lagen die entsprechenden Werte bei 10 beziehungsweise 15 Prozent.

Auch die Augen können betroffen sein. Beschrieben wurden unter anderem zu kleine Augen, eine zu kleine Hornhaut, Fehlbildungen von Iris und Pupille, Katarakte, Veränderungen der Linse sowie Veränderungen der Netzhaut. Bei ausgeprägten Veränderungen kann das Sehvermögen erheblich eingeschränkt sein oder vollständig verloren gehen.

Diese Veränderungen entstehen nicht dadurch, dass ein Hund einfach „weiß“ ist. Entscheidend ist die genetische Kombination und die damit verbundene Störung der Pigmententwicklung. Gerade bei Double Merle kann der hohe Anteil unpigmentierter Bereiche deshalb ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko sein.

Auch das Gleichgewicht kann betroffen sein

Das Innenohr ist nicht nur für das Hören zuständig, sondern auch für den Gleichgewichtssinn. Bei Hunden mit pigmentbedingten Entwicklungsstörungen wurden deshalb neben Taubheit auch neurologische beziehungsweise Gleichgewichtsauffälligkeiten beschrieben.

In einer Untersuchung von Hunden mit angeborenen Hör- und/oder Sehbeeinträchtigungen wurden neurologische Probleme häufiger berichtet als bei den vergleichbaren gesunden Hunden. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die Ursachen dafür nicht vollständig geklärt sind und beispielsweise auch andere genetische Faktoren oder Medikamentenempfindlichkeiten eine Rolle spielen können.

Hautprobleme bei stark depigmentierten Hunden

Bei Hunden mit großen unpigmentierten Hautbereichen fehlt der natürliche Schutz durch Melanin. Diese Haut kann dadurch empfindlicher gegenüber UV-Strahlung sein.

Gerade bei sehr stark aufgehellten Hunden sollte deshalb auf ausreichenden Sonnenschutz geachtet werden. Hautveränderungen sollten tierärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn Rötungen, Entzündungen oder andere Auffälligkeiten auftreten.

Verdauungsprobleme werden ebenfalls beobachtet

Auch Verdauungsprobleme werden bei Hunden mit Merle-Färbung vermehrt beobachtet. Dazu können beispielsweise wiederkehrender Durchfall, empfindliche Verdauung oder andere Magen-Darm-Beschwerden gehören.

Welche Ursachen dahinterstehen und in welchem Umfang tatsächlich ein Zusammenhang mit der Merle-Genetik besteht, ist noch nicht ausreichend geklärt. Für die Praxis bleibt jedoch wichtig, wiederkehrende Verdauungsprobleme nicht einfach als „empfindlichen Hund“ abzutun, sondern die Ursache abklären zu lassen.

Merle und Verhalten

Auch das Verhalten von Merle-Hunden wird wissenschaftlich untersucht. Dabei geht es unter anderem um Ängstlichkeit, Reizbarkeit und aggressives Verhalten.

Eine 2025 vorgestellte Untersuchung an Australian Shepherds zeigte beispielsweise bei Blue-Merle-Hunden eine höhere Aggressionsreaktion gegenüber fremden Kindern als bei roten Hunden. Bei Red-Merle-Hunden wurden dagegen häufiger bestimmte Angst- und Stressreaktionen beobachtet.

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung mit 215 Australian Shepherds fand allerdings keinen allgemeinen Zusammenhang zwischen Merle-Färbung und einem insgesamt aggressiveren oder problematischeren Verhalten. Gleichzeitig wurden einzelne Unterschiede in bestimmten Situationen festgestellt, beispielsweise bei Angstreaktionen und der Reaktion auf tierärztliche Untersuchungen. Die Autoren bewerten diese Ergebnisse ausdrücklich als vorläufig und sehen weiteren Forschungsbedarf.

Damit ist das Thema Verhalten noch nicht abschließend geklärt. Fest steht aber, dass mögliche Zusammenhänge zwischen Pigmentierung, Genetik und Verhalten wissenschaftlich untersucht werden und nicht einfach als reine Erziehungsfrage betrachtet werden sollten.

MDR1 – ein weiteres genetisches Thema

Bei einigen Rassen, in denen Merle vorkommt, spielt zusätzlich die MDR1-Mutation eine wichtige Rolle. MDR1 und Merle sind zwei unterschiedliche genetische Veränderungen. Das Merle-Gen verursacht also keine MDR1-Mutation.

Die MDR1-Mutation betrifft das ABCB1-Gen. Hunde mit dieser Mutation können auf bestimmte Medikamente empfindlicher reagieren. Bei Hunden mit zwei veränderten Genkopien, also MDR1/MDR1 beziehungsweise MDR1 -/-, ist das Risiko für schwere Arzneimittelreaktionen besonders hoch. Aber auch Hunde mit nur einer veränderten Kopie können empfindlich reagieren. Möglich sind unter anderem Koordinationsstörungen, Zittern, Krampfanfälle und weitere neurologische Symptome.

Gerade bei Rassen wie Australian Shepherd, Collie, Sheltie und Border Collie sollte der MDR1-Status deshalb bekannt sein. Das ist sowohl für die medizinische Behandlung als auch für die Zucht von Bedeutung.

Welche Hunderassen tragen das Merle-Gen?

Merle kommt bei verschiedenen Hunderassen vor. Dazu gehören unter anderem Australian Shepherd, Border Collie, Collie, Sheltie, Welsh Corgi, Dackel, Deutsche Dogge, Bobtail und Dunkerhund.

Auch bei Rassen, bei denen Merle ursprünglich nicht zur typischen Farbpalette gehörte, wird die Fellzeichnung inzwischen gezielt gezüchtet. Dazu gehört beispielsweise die Französische Bulldogge. Die aktuelle Testübersicht des Veterinary Genetics Laboratory führt unter anderem auch American Bully, American Staffordshire Terrier, Chihuahua und Pomeranian als Rassen beziehungsweise Populationen auf, bei denen Merle getestet wird.

Das Problem mit dem Double Merle

Das größte vermeidbare Risiko entsteht bei der Verpaarung zweier Hunde, die eine Merle-Variante tragen.

Erbt ein Welpe von beiden Elterntieren eine Merle-Variante, kann ein Double-Merle-Hund entstehen. Das Risiko für schwere Augen- und Hörstörungen steigt bei diesen Hunden deutlich.

Besonders problematisch ist, dass sich nicht jeder Merle-Träger äußerlich eindeutig erkennen lässt. Es gibt sogenannte Cryptic- oder Hidden-Merles, bei denen die Merle-Zeichnung nur sehr schwach ausgeprägt oder äußerlich überhaupt nicht sichtbar ist. Auch Mosaikformen kommen vor.

Eine Untersuchung an Dackeln zeigte beispielsweise, dass solche genetischen Merle-Varianten durch die reine Betrachtung des Fells übersehen werden können. In einem beschriebenen Fall führte eine solche Konstellation sogar zur Geburt eines Double-Merle-Welpen mit fehlgebildeten Augen.

Deshalb reicht es bei der Zucht nicht immer aus, die Fellzeichnung der Elterntiere zu beurteilen. Ein Gentest kann helfen, die vorhandene Merle-Variante zu erkennen und riskante Verpaarungen zu vermeiden.

Wenn eine Fellzeichnung zum Zuchtziel wird

Merle ist eine auffällige und für viele Menschen attraktive Fellzeichnung. Für den Hund selbst hat sie jedoch keinen gesundheitlichen Vorteil.

Wenn ein Merkmal gezielt gezüchtet wird, sollte deshalb immer auch betrachtet werden, welche genetischen Risiken damit verbunden sein können. Besonders die möglichen Augen- und Hörschäden bei Double Merle sind seit vielen Jahren bekannt.

Gerade weil sich riskante Verpaarungen durch genetische Untersuchungen vermeiden lassen, stellt sich die Frage, warum ein vermeidbares Risiko überhaupt eingegangen werden sollte.

Eine besondere Fellzeichnung darf nicht wichtiger sein als die Gesundheit der daraus entstehenden Welpen.

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