
Weiße Fellfarbe beim Hund: Wenn Pigment fehlt und die Gesundheit betroffen sein kann
Weiße Hunde fallen auf – ihr helles Fell wirkt elegant, ungewöhnlich und für viele Menschen besonders attraktiv. Doch hinter einer weißen Fellfarbe können unterschiedliche genetische Ursachen stecken. Und manche davon können nicht nur das Aussehen, sondern auch die Gesundheit beeinflussen.
Besonders wichtig ist dabei der Zusammenhang zwischen fehlenden Pigmentzellen und angeborener Taubheit. Bei bestimmten genetischen Fellzeichnungen können die Zellen, die für die Pigmentbildung zuständig sind, auch im Innenohr fehlen. Dadurch können die für das Hören wichtigen Strukturen nicht richtig funktionieren. Die daraus entstehende angeborene sensorineurale Taubheit ist dauerhaft.
Wenn fehlendes Pigment das Hören beeinflussen kann
Melanozyten sind Pigmentzellen, die nicht nur Haut und Fell färben. Sie spielen auch im Innenohr eine wichtige Rolle.
Fehlen diese Zellen dort während der Entwicklung, kann die Funktion der Hörschnecke beeinträchtigt werden. Die Folge kann eine angeborene Taubheit sein, die entweder ein Ohr oder beide Ohren betrifft.
Besonders gut dokumentiert ist dieser Zusammenhang bei Rassen mit ausgeprägten Weißanteilen oder Weißscheckungen. Dazu gehören beispielsweise Dalmatiner, Bullterrier und Australian Cattle Dogs. Auch beim English Setter ist angeborene sensorineurale Taubheit gut dokumentiert und wird mit pigmentassoziierter Taubheit in Verbindung gebracht.
Beim English Setter handelt es sich dabei nicht um einen vollständig weißen Hund. Seine typische „Belton“-Zeichnung besteht aus einer weißen Grundfarbe mit unterschiedlich dichter Tüpfelung, beispielsweise in Orange, Schwarz oder Braun. Gerade diese ausgeprägte Weißgrundfarbe macht ihn für das Thema interessant.
Bei der sogenannten Piebald-Zeichnung handelt es sich um ein genetisch bedingtes Weißscheckungsmuster. Je nach genetischer Ausprägung können dabei große Bereiche des Fells ohne Pigment sein. Bei bestimmten stark ausgeprägten Mustern kann dieser Pigmentverlust mit einem erhöhten Risiko für angeborene Taubheit verbunden sein.
Auch bei einigen Jagdhunderassen ist angeborene Taubheit beschrieben. Dazu gehören beispielsweise der English Pointer und der Deutsch Kurzhaar. Hier sollte man allerdings nicht automatisch davon ausgehen, dass die Fellfarbe die Ursache ist. Für diese Rassen ist vielmehr zunächst die Tatsache relevant, dass angeborene Taubheit dokumentiert ist.
Das zeigt, warum ein genauer Blick auf die genetischen Zusammenhänge wichtig ist: Eine Rasse kann eine bestimmte Fellzeichnung und gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für Taubheit haben – daraus folgt aber nicht automatisch, dass die Fellfarbe dafür verantwortlich ist.
Merle – wenn Pigmentverlust auch die Augen betreffen kann
Eine besondere Rolle spielt die Merle-Fellzeichnung.
Merle führt zu einer unregelmäßigen Aufhellung der Pigmentierung. Wird das Merle-Gen von beiden Elterntieren vererbt, können sogenannte Double-Merle-Hunde entstehen. Bei diesen Hunden kann der Pigmentverlust besonders stark ausgeprägt sein.
Neben einem deutlich erhöhten Risiko für angeborene Taubheit können beim Double Merle schwere Veränderungen der Augen auftreten. Beschrieben sind unter anderem zu kleine Augen, Fehlbildungen der Iris, Veränderungen der Linse, Netzhautveränderungen und weitere Entwicklungsstörungen des Auges.
Auch bei einfachen Merle-Trägern können Hörprobleme vorkommen, das Risiko ist bei Double Merle jedoch deutlich höher. Deshalb ist die Verpaarung zweier Merle-Hunde besonders problematisch: Sie kann Nachkommen hervorbringen, bei denen das Risiko für schwere, angeborene Hör- und Augenveränderungen deutlich erhöht ist.
Nicht jede weiße Fellfarbe hat dieselbe Ursache
Genau hier lohnt sich ein genauer Blick.
Eine weiße oder sehr helle Fellfarbe kann durch verschiedene genetische Mechanismen entstehen. Die pigmentbedingte Taubheit ist vor allem mit bestimmten Weißscheckungs- und Merle-Konstellationen verbunden. Sie lässt sich deshalb nicht einfach auf alle weißen Hunderassen übertragen.
Weiße Fellfarbe bedeutet also nicht automatisch, dass ein Hund taub wird oder Probleme mit den Augen bekommt. Entscheidend ist die genetische Ursache, die hinter der Färbung steckt.
Wenn eine besondere Fellfarbe zum Zuchtziel wird
Eine besondere Fellfarbe ist für einen Hund nicht notwendig. Entscheidend sollte deshalb nicht sein, möglichst außergewöhnliche Farben zu züchten, sondern gesunde und funktionale Hunde.
Wenn eine bestimmte Farbvererbung nachweislich mit einem erhöhten Risiko für Taubheit oder Augenveränderungen verbunden ist, sollte dieses Risiko bei der Zuchtentscheidung berücksichtigt werden. Zuchtziele sollten nicht auf Kosten der Gesundheit verfolgt werden.
Denn ein außergewöhnliches Aussehen ist für einen Hund nicht wichtig – hören, sehen und ein gesunder Körper schon.
Wenn du einen Hund kaufen möchtest und Fragen zu einer Rasse, bestimmten Fellfarben oder möglichen Zuchtmerkmalen hast, beraten wir dich vor dem Hundekauf kostenlos und unabhängig. Kontakt

